Im Kopf von Bruno Schulz

Zögerlich, aber entschlossen setzt sich eines schönen Novembertages der Kunstlehrer Bruno Schulz an den Schreibtisch im Keller seines Hauses, um einen Brief an Thomas Mann aufzusetzen. Dieser, so meint Schulz, muss über die sonderbaren Begebenheiten, die sich in der polnischen Stadt Drohobycz abspielen, in Kenntnis gesetzt werden. Dort hält sich seit einiger Zeit ein Doppelgänger Manns auf, ein Lügner und Sadist, der die jüdischen Bewohner des Ortes in Kutschen einspannt, um sich von ihnen durch die Stadt ziehen zu lassen, sie in einer Mischung aus Gewalt und Erotik auspeitscht und der sich später als Agent der geheimen Staatspolizei herausstellt. Bruno Schulz sieht sich in der Pflicht, Thomas Mann diese Sachverhalte zu schildern. Vielleicht verschwindet damit auch diese Angst. Was ist diese Angst? Was nährt sie? Die Tatsache, dass er als Zeichenlehrer unterrichten muss, anstatt zu schreiben? Dass seine Schüler als Tauben durch seine Wohnung fliegen und mit ihren Schnäbeln an seine Fens­ter klopfen? Ist es die sadistisch-liebevolle Beziehung zu der Philosophie- und Sportlehrerin Helena Jakubowicz? Ist es seine psychotisch-wahnhafte Schwes­ter, die hofft, dass, wenn ihr Haus brennt, von ihr, ihren Kindern und ihrem toten Mann mehr übrig bleibt als ein bisschen Asche? Oder nährt sich die Angst von der Vorahnung, die Bruno Schulz, selbst jüdischer Herkunft, 1938 – ein Jahr vor Ausbruch des Krieges – befällt?

Regie: Christina Paulhofer
Bühne: Jörg Kiefel
Kostüme: Lili Wanner
Musik: Silvain Jaques
Licht: Michael Frank
Dramaturgie: Jens Groß

Mit Robert Dölle • Nicola Gründel • Seán McDonagh

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